23.11.2018

"Vintage-Uhren sind wie Zeitkapseln“

Der Schauspieler und Rennteamchef Patrick Dempsey sprach mit unserem Chefredakteur des „Uhren-Magazin“, Holger Christmann, über TAG-Heuer-Chronographen, die 24 Stunden von Le Mans und die Faszination historischer Zeitmesser.

Holger Christmann: Sie sind Markenbotschafter von TAG Heuer. Angeblich waren Sie aber schon vorher ein Fan der Marke. Was ist da dran?
Patrick Dempsey: Das stimmt. TAG Heuer ist eine Ikone im Rennsport. Was mir als Rennfahrer an den Heuer-Chronographen schon immer gefiel, ist diese Betonung der Praxistauglichkeit und der guten Ablesbarkeit. Darüber hinaus sind es Zeitmesser von hoher Perfektion, und Zeit ist das, worum es im Motorsport geht. Uhren mit Geschichte wie die „Heuer Monaco“ und die „Autavia“ verraten uns außerdem etwas darüber, woher wir kommen.

Ist die Geschichte einer Uhr etwas, das Sie besonders interessiert?
Ich liebe Vintage-Uhren. Sie sind wie Zeitkapseln. Ich besitze eine kleine Sammlung, darunter eine „Vintage Autavia“. Als ich 2015 das Rennen im belgischen Spa gefahren bin und mich dann aus dem aktiven Rennsport verabschiedet habe, gönnte ich mir ein Ruhestandsgeschenk. Ich fand in einem kleinen Geschäft eine „Vintage Monaco“. Eine solche Uhr hat viel Ähnlichkeit mit einem Oldtimer. Die Leute sehen sie und reagieren darauf emotional. Und ihre Reaktionen sind meist positiv. Aus Uhren wie diesen entwickelt sich meist ein gutes Gespräch. Nebenbei fordert einen der Blick auf den Zeitmesser dazu auf, im Hier und Jetzt zu leben. Das verleiht jeder Uhr eine interessante Symbolik.

Welche Bedeutung hat das Sammeln für Sie?
Was bei echten Sammlern auffällt, ist, dass sie gerne teilen, was sie haben. Sie verstehen sich nicht als etwas Elitäres, sondern als Teil einer Community, die untereinander einen Dialog führt. Das ist toll. Ein gemeinsames Sammelinteresse überwindet ökonomische Barrieren und Weltanschauungen. Es verbindet Menschen über Grenzen hinweg.

Worauf legen Sie sonst noch bei Uhren wert?
Mit einer Uhr muss man interagieren. Zur TAG-Heuer-Vintage-Kollektion und zu den historischen Modellen habe ich ein sehr emotionales Verhältnis. Man pflegt sie, man hört ihnen zu. Für einen Mann ist eine Uhr generell auch ein Schmuckstück. Sie zeigt, wofür er steht und woran er glaubt.

Haben Sie solche Zeitmesser am Steuer Ihres Rennwagens getragen?
Meine „Vintage Monaco“ habe ich das ganze Jahr getragen, auch im Cockpit meines Rennwagens. Auch meine blaue „Monaco“, die erste, die ich von TAG Heuer bekam, trug ich 2014 während des Rennens. Sie hat dabei ein paar Schrammen abgekriegt und hat jetzt eine nette Patina. Ich verschenkte sie aus Dankbarkeit für die tolle Zusammenarbeit an meinen Team-Kollegen Patrick Long. Ich besitze immer noch die Uhr, die ich 2015 bekommen habe und mit der ich in Le Mans Zweiter wurde. Immer, wenn ich mir ein neues Ziel setze, ziehe ich sie an. Sie erinnert mich daran, wie viel Arbeit dazugehörte, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn ich sie trage, spornt sie mich an, auch in schwierigen Zeiten nie aufzugeben.

Sie sind 2015 als Fahrer beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans Zweiter in der Klasse GTE-Am geworden. Jetzt starten Sie zwar nicht mehr selbst, sondern betreiben einen eigenen Rennstall. Was ist gerade an Le Mans so besonders?
Jeder Rennfahrer träumt davon, in Le Mans zu fahren. Es ist das bedeutendste und prestigeträchtigste Ausdauerrennen der Welt. Es ist heiliger Boden. 2005 und 2006 habe ich das Rennen noch als Fan besucht. Schon die schiere Größe des Events hat mich umgehauen. Ich nahm am Pit Walk teil und wusste, dass ich eines Tages als Fahrer hierher zurückkommen möchte. Das ist mir dann viermal gelungen. Le Mans stellt ganz besondere Anforderungen. Vor allem muss man als Gentleman-Fahrer lernen, sich bei hohem Tempo zwischen unterschiedlichen Fahrzeugklassen zurechtzufinden.

Wie lange am Stück haben Sie im Cockpit durchgehalten?
Maximal zwei bis drei Stunden. Vor allem nachts war es dann irgendwann nicht so einfach. Ich bin jetzt 52, und meine Nachtsicht ist nicht mehr die beste. 2015 war mir klar: Dies würde mein letztes Mal sein.

War die Nachtsicht der Grund für Sie, als aktiver Fahrer aufzuhören?
Es hätte enormen Einsatz gebraucht, um besser zu werden. Wenn man auf dem Niveau mithalten möchte, muss man hundert Prozent geben. Ich hätte das schaffen können, aber zu welchem Preis für meine Familie? Ich habe meine Ziele erreicht. Es war eine besondere Ehre, TAG Heuer in Le Mans zu vertreten, mit Porsche auf dem Podest zu stehen und am Beginn des 919er-Programms mit dabei gewesen zu sein. Das war der tollste Moment in meinem Leben. Jetzt habe ich neue Ziele. Und heuer als Teamchef in Le Mans zu gewinnen, das war das Sahnehäubchen meiner Karriere.

Angeblich hat Ihre Frau Sie gebeten, Ihre Rennfahrer-Karriere zu beenden.
Zumindest stand sie jedes Mal Todesängste aus, wenn ich Rennen fuhr. Bei den Kindern war es eher so, dass sie mich vermissten, weil ich so viel unterwegs war.

Haben Sie nie daran gedacht, Ihre beiden Talente als Motorsportler und Schauspieler zu verbinden und in einem Rennfahrerfilm wie „Le Mans“ die Hauptrolle zu spielen?
Das wäre schwer. Das haben andere vor mir so gut gemacht, mit denen möchte ich mich nicht messen. Aber ich produziere gerade einen Film über einen Rennfahrer, „The Art of Racing in the Rain“ nach dem Roman von Garth Stein (deutsch: „Enzo oder die Kunst, ein Mensch zu sein“, Anm. d. Red). Im Sommer drehen wir in Kanada die Rennszenen. Dann folgt eine Dokumentation über die Rennlegende Hurley Haywood.

In die Fußstapfen Steve McQueens wollen Sie also nicht treten?
Eher nicht. Ich erinnere mich an den Film „Le Mans“ und an Steve McQueens Gulf Car. Als ich es jetzt im Automobilmuseum von Monaco stehen sah, dachte ich: Oh mein Gott, das ist das Fahrzeug, mit dem ich gespielt habe, als ich ein kleiner Junge war.

 

Das Interview finden Sie im Uhren-Magazin 6/2018 sowie in der Luxusbeilage der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“.